Flug nach Kasongo Lunda

20.7.2017  (bez) Foto mit Flieger und GPS-Daten

Kurz vor 6 Uhr standen wir auf und nahmen noch die vermeintliche letzte Dusche für drei Wochen. Es kam zum ersten Mal warmes Wasser. Bei David funktionierte das Wasser nur an einem Tag. Er musste sich mit einem Kübel Wasser begnügen oder er duschte bei uns. Das z’Morgen konnten wir noch gemütlich einnehmen. Seit heute Morgen bin ich heiser und kann kaum noch sprechen. Schmerzen habe ich keine. Um 8:30 kamen wir auf dem lokalen Flugplatz an, welcher nicht weit von unserer Unterkunft ist. Wir mussten uns alle auf die Waage stellen. Wir sind waren, das maximale Gesamtgewicht vom Flieger wurde nicht überschritten, so konnten wir alles mitnehmen. Nun war langes warten angesagt, weil  in Kasongo Lunda zu dichte Wolken die Sicht behinderte. Um 11:10, nach einem Gruppenfoto, konnten wir (8 Personen) einsteigen. Der amerikanische Pilot betete bevor er die Maschine startete. Für Aviatikinteressierte: Der Typ des Fliegers: Cessna 208B Caravan I.

Der Start auf der holprigen Asphaltpiste verlief ohne Probleme. Die meiste Zeit sahen wir nur Wolken unter uns. Über Angola lösten sich die Wolken auf und schon setzte das Flugzug zur Landung an. Kurz vor der Landung überquerten wir den Kwangofluss welcher der Region den Namen gibt und den Kongo von Angola trennt. Der Pilot überflog die Landebahn sehr tief, um sie zu inspizierte, ob sie wieder richtig vorbereitet wurde. Die Fluggesellschaft teilte vor zwei Monaten mit, dass sie nicht mehr mit dem grossen Flieger landen würden, wenn das Flugfeld nicht von Termitenhügeln und Schlaglöchern befreit wird. Als der Pilot dann sagte, dass er noch nicht Landen kann weil zu nahe an der Piste auf halber Strecke eine Fahne aufgehängt war, erschraken wir sehr. Der Co-Kirchenleiter Alfred Mbuta stellte sein Handy an und telefonierte jemandem an der Piste um zu sagen, was zu Tun sei. Wir schauten zu wie jemand Richtung Fahne lief, aber kurz vorher wieder umkehrte. Alfred Mbuta musste nochmals telefonieren. Wir verzweifelten fast und befürchteten, schon der Pilot würde umkehren. Doch endlich fuhr ein Auto über die Piste und entfernte die Fahne. Nun konnte der Pilot nach vier Runden über Kasongo Lunda endlich nach einer Stunde, 20 Minuten und 320 km landen. Ohne Schlaufen wären es 1h 10min und 300km gewesen. Die Landung verlief ohne Zwischenfälle. Am Ende der Piste wurden wir vom singenden Frauenchor, einer Delegation der Kirche und vielen Kindern empfangen. Es war sehr rührend und überwältigend. Der Pilot inspizierte zu Fuss nochmals die Piste und teilte mit, dass bis zu unserem Rückflug am 10.8.17 die Piste verbreitert werden muss. Hoffen wir, dass es klappt. Mit drei Landcrusier wurden wir, die Frauen und die Leiter, ins Dorf gebracht wo wir nochmals vor und in der Kirche offiziell empfangen wurden. Danach verwöhnten uns die Frauen mit einem reichhaltigen Buffet. Wir assen zum ersten Mal seit unserer Einreise Fufu, welcher uns nun jeden Tag zu jeder Mahlzeit angeboten wird. Unsere Pässe mussten wir abgeben, damit der Koordinator Jules Tsengele die Formalitäten bei der Behörde erledigen konnte.

Geplant war nach dem Erledigen der Formalitäten die sofortige Weiterreise nach Matamba-Solo. Trotz diverser Interventionen von David mussten wir eine Nacht hier in Kasongo Lunda bleiben. Das Fahrzeug des Co-Kirchenleiter Stéphane Kabongo, welcher mit einem Teil unserer Nahrungsmittel seit Dienstag unterwegs ist, hatte schon bald nach der Abfahrt eine Panne. Seit dann sind sie noch über 350 km nur mit dem 1. und 2. Gang unterwegs. Ein zweites Fahrzeug, welches ein Teil unserer Koffer hat, ist seit Mittwochabend unterwegs und sollte uns morgen früh (8:30) abholen. Wir sind gespannt ob dies wie geplant klappt. Wir sind hier im Gästehaus einer katholischen Schule einquartiert. Mit dem Pater haben wir es sehr gut. David hat er mit «mon fils» (mein Sohn) angesprochen. Wir konnten uns nur kurz einrichten, schon wurden wir wieder abgeholt für den nächsten Programmteil. Das Team Bernard (so werden wir hier vorgestellt) dachte wir gehen jetzt zur Behörde um unsere Formalitäten zu erledigen. Dem war aber nicht so. Vor der kircheneigenen Schule wurden wir vom Schulleiter und den Kindern empfangen und herzlich begrüsst. Das Ehepaar Weber, welches auch mit uns flog, schaut sich in KIN und im Kwango für Mission 21 die Schulen an. Sie treffen sich mit den Schulleitern mit dem Ziel ein grösseres Projekt für die Verbesserung der Schulen und der Lehrerweiterbildung auszuarbeiten. Wir schauten auch ein paar Klassenzimmer an und setzten uns dann in den «Schulhof». Wir waren sofort umringt von unzähligen Kindern die mit uns kommunizieren wollten. Nur wenige konnten ein wenig Französisch. Elisabeth arbeitete an ihrer Häkelarbeit weiter und hatte viele interessierte Zuschauer. Mit der Zeit wollte ein Mädchen versuchen zu häkeln. Nach Anfangsschwierigkeiten ging es immer besser. Die Buben fragten David ob wir mit ihnen Fussballspielen würden, was wir gerne annahmen. Sie bildeten zwei Mannschaften und so spielten David und ich gegeneinander auf einem holprigen kleinen Feld, mit einem selbstgebastelten Fussball. Über 20 Kindern süielten mit. Es war sehr anstrengend und wir kamen ins Schwitzen. Die Mädchen wurden ein wenig eifersüchtig und fragten Elisabeth ob sie auch mit ihnen etwas spielen würde. Sie spielten mit den Händen abklatschen und sprachen dazu die französischen Zahlen, so waren auch sie glücklich.

 

Bei Sonnenuntergang trafen wir wieder bei der Unterkunft ein. Kaum hatte ich mit Schreiben begonnen, wollte uns der Pater eine Solarinstallation zeigen. Ich holte mein Werkzeug und Messgerät und zusammen mit David machten wir uns auf den Weg. Er zeigte uns die Energieversorgung vom lokalen Radio (24V – 230V 3kW Wechselrichter) mit Solarstrom. Er war sehr interessiert an meinem Messgerät und wie es funktioniert. Die nächste Station war die Stromgeneratoren, welche die Schule, das Gästehaus und eine Wasserpumpe mit Strom versorgen. Die Generatoren laufen nur am Abend für 2.5 Stunden um das Quellwasser hoch zu pumpen und den Esssaal zu erleuchten. Mit einem Trübungsmessgerät, welches ich ausgeliehen habe, messen wir in der Küche noch das Hahnenwasser. Der Wert ist kleiner als eins, welches ein guter Wert ist und darauf hinweist, dass es nicht viele Partikel im Wasser hat. Mit diesem Wert kann aber noch nichts über die biologische Qualität des Wassers gesagt werden. Das Essen nahmen wir zusammen mit dem Pater ein. Er ist sehr offen und macht zu allem einen Spass. Nach dem Essen sprachen wir noch lange mit ihm über diverse Themen. Mir bot er einen Whisky an, damit sich meine Stimmbänder schneller erholen. Mal schauen ob es mir morgen wieder besser geht. Einen Plan B hat er uns auch noch angeboten.  Wenn kein Auto von den zwei rechtzeitig hier ankommt, wird er uns morgen nach Matamba-Solo fahren. Uns geht es einfach gut mit so vielen freundlichen Leuten!

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